
Die Rückmeldungen zeigten deutlich: Der Bedarf an Austausch, Stärkung und Vernetzung ist groß – ebenso der Wunsch, queere Menschen und ihre Familien selbstverständlich als Teil kirchlicher Gemeinschaft zu begleiten.
Vorarlberg nimmt innerhalb der Initiative „akzeptierend + offen“ eine besondere Rolle ein: Mit aktuell 16 verliehenen A+O-Prädikaten sowie weiteren Pfarren und Organisationen im Kandidatenstatus ist das Bundesland österreichweiter Spitzenreiter. Das Prädikat A+O steht dabei nicht für Aktionismus, sondern für eine Haltung, die Respekt, Offenheit und die Achtung der Einzigartigkeit jedes Menschen in den Mittelpunkt stellt.
An diese Erfahrungen knüpft die zweite Ideenwerkstatt an. Unter dem Titel
„Wie können wir Menschen und deren Familiensysteme unterstützen, die im kirchennahen Umfeld ihre queere Identität kommunizieren und leben wollen?“
werden neue Perspektiven eröffnet und bestehende Ansätze vertieft.
Ein fachlicher Impuls von Bernhard Dünser, psychosozialer Berater, Supervisor und Coach für neurosystemische Integration i. A. (Café am Waldrand), gibt Einblick in Herausforderungen und Ressourcen aus der Beratungspraxis. Anschließend laden angeleitete Gesprächsrunden dazu ein, eigene Erfahrungen einzubringen und voneinander zu lernen. Thematisch stehen dabei eine unterstützende Haltung im persönlichen Umfeld, der Umgang mit Tabuthemen und Sprachlosigkeit rund um LGBTIQ-Themen, seelsorgliche Begleitung von queeren Menschen und ihren Familien sowie Angebote und Rituale in queerfreundlichen Gemeinden im Fokus.
Die Ideenwerkstatt versteht sich als Ideenbörse, Lernraum und Ermutigung für alle, die eine offene Kirche mitgestalten möchten.
Herzliche Einladung zur Ideenwerkstatt „Akzeptierend + Offen“
Donnerstag, 19. März 2026, 18:30–21:00 Uhr
Saal Diözesanhaus, Bahnhofstraße 13, Feldkirch

3 Fragen an Bernhard Dünser
Einen Impuls wird zu Beginn des Workshops Bernhard Dünser geben. Mit seiner langjährigen Erfahrung als psychosozialer Berater spricht er über den sensiblen Umgang mit Tabuthemen und die seelsorgliche Begleitung queerer Menschen und ihrer Familien.
Viele Menschen empfinden im Zusammenhang mit LGBTIQ+ noch Unsicherheiten oder gar Sprachlosigkeit. Wie kann ein guter Umgang mit diesen Themen gelingen?
Bernhard Dünser: Unsicherheiten entstehen oft aus fehlendem Wissen oder aus der Angst, etwas Falsches zu sagen. Deshalb ist es mir wichtig, wertschätzende Sprache zu fördern und Räume zu schaffen, in denen Fragen erlaubt sind. Wenn Klischees und Vorurteile nicht tabuisiert, sondern reflektiert werden dürfen, kann echte Auseinandersetzung stattfinden. Das erfordert Mut und Sensibilität – und die Bereitschaft, sich selbst immer wieder zu hinterfragen.
Welche Rolle spielt diese Haltung besonders in der seelsorglichen Begleitung queerer Menschen und ihrer Familien?
Bernhard Dünser: In der seelsorglichen Begleitung steht für mich die bedingungslose Annahme im Mittelpunkt. Gerade dort, wo Menschen Ablehnung, innere Konflikte oder familiäre Spannungen erleben, kann Seelsorge stärken, begleiten und Halt geben. Eine queerfreundliche Gemeinde macht diese Haltung sichtbar – etwa durch inklusive Gottesdienste, Segensfeiern, Gesprächsgruppen oder klare Zeichen der Solidarität. So wird Vielfalt als Bereicherung erfahrbar und Glaube lebensnah spürbar.
Was möchten Sie den Teilnehmenden aus Ihrer persönlichen und beruflichen Erfahrung mitgeben?
Bernhard Dünser: Als spätgeouteter schwuler Mann, Vater von drei Kindern und einem Sternenkind, eingebettet in Familie und Gemeinschaft, bringe ich meine persönlichen Erfahrungen ebenso ein wie meine Arbeit als psychosozialer Berater. Mir ist es ein Anliegen, Sicherheit im Umgang mit Betroffenen zu vermitteln und zu einem offenen, freien Handeln fern von Klischees, Vorurteilen und gesellschaftlicher Sprachlosigkeit zu ermutigen. Es geht darum, Mut zu machen – zu echtem Kontakt und zu einer Haltung, die Menschen stärkt.
Bernhard Dünser ist psychosozialer Berater, Supervisor und Coach für Neurosystemische Integration i.A. im Bregenzerwald.